Auf der Suche nach dem verlorenen Klang: Frankreich

Konzert der jungen Kantorei in der Frankfurter Dreikönigskirche

Allenfalls als Komponist der Eurovisions-Hymne ist Marc-Antoine Charpentier manchen Leuten ein Begriff. Doch sollte dem vermutlich im Jahr 1636 in Paris geborenen hochbegabten Künstler, der sich als Maler wie als Musiker hervortat, höhere Aufmerksamkeit gezollt werden, gehörte er doch zu den erfolgreichsten Komponisten seiner Zeit. Das Theater gehörte zu seinen besonderen Vorlieben. Er schrieb Bühnenmusiken zu den Molière-Komödien „Mariage forcé“ und „La Malade imaginaire“, und er eroberte die Gunst des Publikums durch seinen Ideenreichtum, seine melodiöse Satzweise und durch die Heiterkeit seiner Divertissements und Ballettmusiken.

Doch wer erfolgreich ist, der wird stets auch mit Mißgunst bedacht: Sein Widersacher Jean Baptiste Lully, der Komponist des Königs, verfolgte ihn mit Haß, schmiedete Ränke und Intrigen; indes: Charpentiers Stern strahlte bald schon so hell am Komponistenhimmel, daß ihm alle Ranküne des Neiders nicht mehr schaden konnte: Bei Hofe war man auf den jungen Komopnisten aufmerksam geworden, und Ludwig XIV, selbst ein begabter Musiker, betrieb die Anstellung Charpentiers zum Kapellmeister des Dauphin, und bald konnte er sich vor Aufträgen nicht mehr retten: Pariser Musikfreunde verlangte es nach immer neuer Musik aus Charpentiers Feder; er komponierte unermüdlich: Messen, Kantaten, Motetten, Divertissements, Opern und Gelegenheitswerke aller Art.

Anders als Charpentier, der erst spät von der Malerei zur Musik gefunden hat, schlug der 1668 geborene François Couperin (der später den Beinamen „Le Grand“ erhielt) von Anfang an die Musikerkarriere ein. Er übernahm schon mit 17 Jahren das Amt des Organisten an St. Gervais in Paris; vier Jahre später wurde er Organist an der Königlichen Kapelle und unterrichtete auch die Mitglieder der Königsfamilie. Seinen Ruf begründeten zunächst seine Orgelkompositionen; es folgten Triosonaten und Vokalkompositionen, die zumeist für den liturgischen Gebrauch in den königlichen Gottesdiensten gebraucht wurden: eine konzertierende Musik im Kantatenstil, „Motets“ genannt. Charakteristisch für diese Stücke ist ihre knappe Besetzung: eine Notwendigkeit angesichts Mobilität des königlichen Hofs; auch die Kapelle hatte mobil zu sein, und so mußten sich die Musiker zwangsläufig in kleinere Ensembles aufteilen, um ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen zu können.

François Couperin lebte zurückgezogen; er widmete sich ganz und gar seinen Aufgaben als Lehrer, Cembalist und Komponist, und wie Johann Sebastian Bach liebte er es, gemeinsam mit seiner Familie zu musizieren. In seinen vier Bänden der „Pièces de clavecin“ finden sich 27 Suiten, „Ordres“ genannt, deren ein-zelne Sätze zwar noch ihre Herkunft aus dem Tanz verraten, jedoch mehr und mehr zu Charakterstücken gerieten, in denen er Personen und Dinge um sich herum porträtierte: ein tönendes Panorama der menschlichen Gesellschaft am Hof des „Roi du Soleil“.

Pressemitteilung vom 17.11.1998
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