Hanau. Die allegorische und statische Handlung von Georg Friedrich Händels Oratorium „L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato“ spannend umzusetzen, ist nicht einfach, wohl aber möglich, wie die Junge Kantorei zusammen mit dem Barockorchester Frankfurt unter der Leitung von Joachim Carlos Martini bewies. Als letzte Veranstaltung der Kulturhöhepunkte zur Landesgartenschau hörte das Publikum in der ausverkauften Christuskirche eine stilvolle und farbige Aufführung, aus der die Mitwirkenden einzelne dramatische Komponenten pointiert hervorhoben.
Die beiden gegensätzlichen Charaktere, „der Fröhliche“ und „der Nachdenkliche“, stehen sich in diesem Oratorium gegenüber. Neben den beiden Oden hat Charles Jennens für Händels Vertonung von 1740 noch den Charakter des „Moderato“, des Gemäßigten, entworfen, der im dritten Teil beide Extreme zu einer versöhnlichen Mitte vereinen soll. Der Wechselgesang von Sopran, Tenor und Bariton lockert die epische Form auf und macht zum anderen deutlich, dass diese Eigenschaften in verschiedenen Menschen und zu verschiedenen Zeiten wirksam werden können. Dem Chor obliegt die Bekräftigung der gerade vorherrschenden Eigenschaft. Das gelang der Jungen Kantorei mit klarer Stringenz.
Glücklich gewählt war die Besetzung der Solopartien. Vor allem die Einteilung der Sopranstimmen für die Figuren des „Allegro“ und des „Penseroso“ ließ bereits im Timbre die unterschiedlichen Temperamente verankern. Knut Schoch (Tenor) und Stephan MacLeod aus Genf, der im dritten Teil „il Moderato“ interpretierte, ergänzten die Partien klangvoll.
Den Sängern wie dem Barockorchester gelang es, die tonmalerischen Pointen in Händels Musik herauszuarbeiten. So etwa im pastoralen Duett zwischen Sopran (Linda Perillo) und Flöte („Sweet Bird“) oder im Bild der pulsierenden Stadt („Populous Cities“) mit Glockenspiel, Pauken und Trompeten und einem dynamischen Chor. Viel Beifall und stehende Ovationen bekamen die Ausführenden, die sich dieses komplexen Themas ausgezeichnet angenommen hatten.
Hanau-Post vom 1. Oktober 2002
Esther George