Das Frohe Fest ist kurz dieses Jahr, ein Wochenende nur, zugegeben. Doch ein „Weihnachtsoratorium“ reicht selbst bei sparsamer Einteilung und langsamer Spielweise keine drei Stunden. Und dann? Kein Jauchzen mehr? Schweigen?
Von Händel zwar, aber nicht minder festlich und trompetenglänzend, ist das Oratorium „Deborah“: Frisch erschienen in einer Aufnahme mit der „Jungen Kantorei“ und dem „Barockorchester Frankfurt“ unter der Leitung von Joachim Carlos Martini. Auch die alttestamentarische Deborah ist schließlich eine Art Erlöser, ein weiblicher obendrein. Nur nicht so ganz friedfertig: Da wird der Tyrann von ihr mit hurtigen Hammerschlägen an den Boden genagelt. Und der Chor jauchzt und frohlockt dazu.
Musikalisch gesehen aber zweifelsfrei ein Festtagshappen. Das Originalinstrumente-Orchester, das Martini sich für seine jährlichen Händel-Projekte reich mit Continuofarben ausstattet, spielt auf Spitzenniveau, der junge Chor hat Energie, die Solisten singen blendend: Elisabeth Scholl eine Deborah, der man den Hammer zutraut.
Das 3-CDs-Oratorium ist ein Mitschnitt vom letzten Pfingstkonzert der Jungen Kantorei in Kloster Eberbach. Und es ist eine in dieser Form singuläre Rekonstruktion eines Materials, das Joachim Martini in mühsamer Detailarbeit erst spielbar machen musste dokumentiert in einem 80-seitigen Booklet. Das reicht dann fürs Wochenende wirklich.
Junge Kantorei, Deborah, 90 Mark, erhältlich über die Junge Kantorei, Grüner Weg 11, 34613 Schwalmstadt. ick
Frankfurter Rundschau Online, Dezember 1999
Stefan Schickhaus