Es ist wirklich eine innige Liebe, die Joachim Martini und seine Junge Kantorei zu den Werken Georg Friedrich Händels erfüllt. Seit vielen Jahren steht ausschließlich dieser Komponist auf den Programmen der Pfingstkonzerte in der Eberbacher Basilika. Diesmal war es mit „Gideon“ das letzte der drei von John Christopher Smith nach Händel-Vorlagen arrangierten Pasticcios. „Nabal“ und „Tobit“ hatten in den vergangenen Jahren das Verlangen nach mehr von dieser köstlichen Musik geweckt. Martini, sein Chor und das gut disponierte Barockorchester Frankfurt hielten ihr Versprechen, dass auch die biblische Geschichte des frommen Bauernsohns Gideon aus dem Buch der Richter beim Händel-Liebhaber Entzücken hervorrufen werde. Dazu war ein ausgewogenes Solistenensemble engagiert: Barbara Hannigan, Linda Perillo und Nicola Wemyss als Israelitinnen, schließlich David Cordier, Knut Schoch (Gideon) und Stephan MacLeod in der Rolle des Propheten. Besondere Qualitäten aber zeigte der Chor; nicht nur in den Schlussgesängen der drei Oratoriums-Teile. Die Frische und Lebendigkeit, mit welcher der große Chor aufwartete, sind gerade bei problematischer Akustik wie in Eberbach nicht selbstverständlich. Aber für Martini gehört eine sorgsame und gleichsam liebevolle Einstudierung zur Routine. Und er versäumt nicht, „seinen“ Händel jedes Jahr wieder aufs Neue zu entdecken. Riesiger Beifall.
Frankfurter Neue Presse vom 10. Juni 2003
Matthias Gerhart