Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2001

Gedichte und Musik gegen Rassismus und Gewalt

"Kultur gegen Rechts" versammelt Frankfurt Bürger in der Paulskirche / Ausstellungen

emm. Bis auf den letzten Platz besetzt war die Frankfurter Paulskirche gestern abend, als die Initiative "Kultur gegen Rechts" zu der Veranstaltung "Kultur gegen Haß und Gewalt von Rechts" geladen hatte. Zahlreiche Frankfurter Künstler, Wissenschaftler und Politiker boten mit Rezitationen, musikalischen Vorträgen oder der Vorstellung ihrer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Rassismus und rechtsextremer Gewalt ein vielfältiges, mehr als drei Stunden dauerndes Programm. "Eine kleine Handvoll Menschen" der Initiative habe dieses Projekt vorbereitet, sagte der Leiter der Jungen Kantorei und des Barockorchesters Frankfurt, Joachim Carlos Martini, in seiner Begrüßung.

Die Veranstaltung richte sich nicht nur gegen Gewalt von rechts, sondern gegen jegliche Art von Gewalttätigkeit, hob Marini hervor. Zum Selbstbewußtsein derer, die gekommen seinen, um gegen "das Dunkle", die eigenen Ängste anzukämpfen, sei der Abend gedacht. Wenn der Effekt eintrete, daß Jugendliche in diesem Sinne besser betreut würden, wäre das ein "wunderbares Ergebnis unserer Arbeit", sage Martini. Er bedauerte die Abwesenheit zahlreicher politischer Persönlichkeiten, vor allem der Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU)

Andere Politiker, unter ihnen der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag, Tarek Al-Wazir, und Bürgermeister Joachim Vandreike (SPD) sowie die Oberbürgemeisterkandidatin der Grünen, Jutta Ebeling, trugen Texte vor. Kulturdezernent Hans-Bernhard Nordhoff (SPD) las unter anderem ein selbstverfaßtes Gedicht aus dem Jahr 1984 mit dem Titel "Rattenfänger". Zahlreiche Musiker, darunter Vertreter der Jungen Kantorei, der Kammeroper und des Opern- und Museumsorchesters, spielten Werke, die sich mit der Fremde auseinandersetzen oder in der Fremde entstanden sind. Einige Frankfurter, unter Ihnen der Pfarrer der Katharinenkirche Hans Christoph Stoodt, die Vertreterin des Stadtschülerrats Johanna Huthmacher, und Dieter Kursawe von der Deutschen Bibliothek berichteten von fremdenfeindlichen Vorfällen und ihren Initiativen gegen rechte Gewalt.

Texte gegen Rassismus von Erich Fried wurden mehrmals an diesem Abend rezitiert, unter anderem von der Schauspielerin Rosemarie Fendel. Der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch bedauerte, einen eindringlichen Text, den er 1977 gegen Rechtsextremismus verfaßt hatte, heute wieder vortragen zu müssen.

Umrahmt wurde die Veranstaltung von den Ausstellungen "Menschenwürde - Freiheit des Geistes" von Alexander Steffes und "Den Opfern einen Namen geben", die von heute an bis Anfang März in der Stadt- und Universitätsbibliothek zu sehen sind.

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