Die Pfingstkonzerte, die der Frankfurter Dirigent Joachim Carlos Martini mit der Jungen Kantorei und dem Barockorchester Frankfurt traditionell auch in Heidelberg leitet, sind ein jährlicher Höhepunkt in Sachen hochkarätig aufgeführte „Alte Musik“. Diesmal gab es kein Großwerk von Händel, sondern das Prunkstück der späten Renaissance, Claudio Monteverdis „Marienvesper“ in St. Bonifatius in der Heidelberger Weststadt.
Die ausladende Räumlichkeit des großen Gotteshauses war bestens geeignet für die Realisierung des Werkes mit seinen ganz speziellen Anforderungen an Raumklangwirkungen, wie Doppelchörigkeit, aufgeteilte Instrumentengruppen, Echo-Effekte und Klangwechsel von Soli, Duetten, vokalen Concertos bis hin zu großer chorischer Vielstimmigkeit.
Martini umging die Darstellung weihevoller Sakralaura und ehrfürchtig modellierten Gloriolenschimmers. Seine Deutung betonte rituale Subjektivität und Hedonismus, die in diesem Werk textlich wie klanglich vorgezeichnet sind. Monteverdi verwendet neben Psalmtexten ja auch viele Texte aus dem Hohelied Salomos, und deren Sinnlichkeit ist kongenial in Musik umgesetzt. Daran ließ diese Aufführung nicht den geringsten Zweifel. Klangliche Frische, starke rhythmische Beweglichkeit und Vitalität eröffneten die ausführenden Ensembles, ein Höchstmaß an Lebendigkeit, welche die Freude des Gotteslobs im Besonderen charakterisierte.
Bei stattlicher Größe sang die Junge Kantorei ausnehmend leichtgewichtig und vorbildlich transparent, sicher in den metrischen Wechseln, überaus deklamationsstark, höchst lebendig in den pointiert zu akzentuierenden Teilen. Prächtige Leuchtkraft in den achtstimmigen Chorpartien hörte man neben virtuoser, suggestiv geformter Kontrapunktik und ruhig flutender Homophonie.
Exzellente Solisten, international gefragte Barock-Spezialisten, hatte Joachim Carlos Martini verpflichtet. Ganz besonders nahmen die beiden wunderbaren Sopranistinnen Dorothee Mields und Nicola Wemyss mit betörend schmiegsam und verführerisch geformten Valeurs für sich ein. Der Tenor Knut Schoch, anfangs etwas belegt, steigerte sich zu einer vortrefflichen Leistung, sang klangschön, überaus elastisch und koloraturengewandt – vieles davon im Duett mit dem gleichfalls stilsicher agierenden Tenor Christian Dietz. An madrigalesker Farbigkeit und entsprechend flammend geformter Intensität ließen die beiden in ihren duettierenden Concerti nichts zu wünschen übrig und ebenso wenig an wortbedeutsam in Klang ausgemalter Mystik. Mit balsamisch warmem Bass imponierte Peter Kooij, eine gute Leistung hörte man von Wolfgang Kistner (Altus).
Farbenintensiv musizierte das Barockorchester Frankfurt, brachte ein Höchstmaß an Lebendigkeit in die Aufführung – das reinste Vergnügen war es, der 1. Blockflötistin zuzusehen und zu hören. Ein spielerisches Engagement, das absolut begeisterte.
Lange Beifallskundgebungen am Ende des Konzerts.
Rhein-Neckar-Zeitung vom 18. Mai 2005
Rainer Köhl