Barockmusik-Potpourri erlebte glorreiche Auferstehung

Die „junge kantorei“ führte Händels Oratorium „Nabal“ nach fast 250 Jahren zum ersten Mal wieder auf.

Händel-Spezialist Joachim Carlos Martini ist wieder ein gutes Stück Forschungsarbeit gelungen. Jahrhunderte schlummerte das Oratorium „Nabal“ in den Archiven. 1764 hatte man das inhaltlich an das erste Buch Samuel des Alten Testaments angelehnte Werk aus den verschiedensten Musiken Händels zusammengestellt; John Christopher Smith zeichnete für die Musik verantwortlich. Nun feierte „Nabal“ an Pfingsten die glorreiche Auferstehung. Die im Umgang mit Händel-Oratorien versierte Junge Kantorei und ihr Leiter Martini führten das umfangreiche, aber sehr hörenswerte Werk in der Basilika von Kloster Eberbach im Rheingau auf. Dass es sich dabei quasi um ein „Potpourri“ aus den verschiedensten Oratorien- und Opernvertonungen des Meisters handelt, erhöhte den Reiz des Zuhörens. Obgleich man „Nabal“ zum ersten Mal hörte, hatte man immer wieder Identifikationspunkte, Musik aus dem Oratorium „Judas Maccabäus“ beispielsweise, oder aus den Opern „Alcina“ und „Ariodante“.

Martini hatte seinen Chor und das Barockorchester Frankfurt wieder hervorragend einstudiert. Das Orchester musizierte präzise und zeigte besonders bei den Bläsern eine homogene Einheit. Sehr schön gerieten auch die facettenreichen Zwischenspiele im ersten und am Beginn des dritten Teils. Der große, ausgewogene Chor hatte seine besten Momente in den ausladenden Schlusschören, in denen sich saubere, helle Frauenstimmen mit den tragenden Männerstimmen fein ergänzten. Als Solisten zeigten Stephan MacLeod (Nabal), Knut Schoch (David), Linda Perillo (Shepherd), sowie Francine van der Heijden (Asaph) und Maya Boog (Abigail) eine zuverlässige Leistung.

Frankfurter Neue Presse vom 13. Juni 2000
Matthias Gerhart