Chor beeindruckt mit hohem Niveau

320 Besucher hörten Konzert der „Jungen Kantorei“ in der Pfarrkirche

Marburg. Geistliche Chor- und Orgelmusik der Romantik erklang am Sonntagabend in der Lutherischen Pfarrkirche. Etwa 320 Zuhörer waren zum Konzert eines Marburger Chores gekommen, der aber nur selten in der Stadt zu hören und dadurch auch nicht so bekannt ist. Die junge Kantorei steht unter der Leitung von Joachim Carlos Martini.

Die Marburger Sängerinnen und Sänger bilden nur einen Teil des Chores. In Bonn, Heidelberg und Frankfurt proben ebenfalls junge und junggebliebene Chorsänger, um sich zu den Konzerten dann zu einem Chor zu vereinigen. Im Jahr 1965 gründete Martini den Chor im Auftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Fester Bestandteil des Chorlebens sind in jedem Jahr die Konzerte zu Pfingsten in der Basilika des Klosters Eberbach, in dessen Mittelpunkt die Aufführung von Händels Oratorien stehen. Als festen Partner hat der Chor das Barockorchester Frankfurt gewonnen. Gemeinsam bemühen sich beide Ensembles, wenig bekannte Kompositionen des Barock aufzuführen. So werden beide Ensembles im kommenden Jahr erstmals seit 1768 wieder Georg Friedrich Händels „Nabal“ aufführen.

Für das Konzert in Marburg hatten die Sänger bereits vor einigen Jahren geprobte geistliche Werke aus der Romantik „ausgegraben“ und mit dem Konzert zugleich einigen Chormitgliedern zu runden Geburtstagen ein Geschenk bereitet.

Glanzvoll wurde es für Chorjubilare und Zuhörer durch den exzellenten Chorklang. Die Einsatztöne sind eine große Stärke des Chores: nie hart und sehr sauber intoniert. Die bis zu achtstimmigen Werke beeindruckten durch die große Durchsichtigkeit der musikalischen Struktur. Im Gegensatz zum hohen technischen Niveau und der beeindruckenden Tonqualität des Chores standen die eigenwilligen Interpretationen romantischer Musik durch den Chorleiter Martini, der die Schwerpunkte auf kurze Abschnitte legte. Große Bögen, die dem Chor mehr Klangraum gegeben hätten, waren eher selten, so dass die Interpretationen von Werken von Mendelssohn-Bartholdy, Bruckner und Reger teilweise abgehackt wirkten und der Fluss der Melodien verloren ging.

Diese typisch romantischen Gestaltungsmittel beherrschte Joachim Dorfmüller an der Orgel dafür perfekt. Der in Münster lehrende Professor gab mit Werken von Mendelssohn-Bartholdy und Reger Beispiele für die klingende Vielfalt romantischer Orgelwerke und seine vorzügliche Virtuosität. Außerdem bescherte er den Zuhörern mit dem Leipziger Fugen-Triptychon C-Dur von Grieg eine Erstaufführung in Marburg.

Oberhessische Presse vom 26.10.1999
Katja Hofmann