Junge Kantorei

Tanz den Inquisitor

Schon wieder nichts Neues aus der Dreikönigskirche: Auch in diesem Jahr erwies sich die Junge Kantorei in ihrem Januar-Konzert als absolute Meisterin des frühbarocken Fachs, einmal mehr demonstrierte sie ihrer zu Recht begeisterten Fangemeinde, wie schlank und schwerelos hundert Sängerinnen und Sänger klingen können, wenn der Richtige vorne steht.

Das ist seit mehr als 30 Jahren der ambitionierte Chorleiter Joachim Carlos Martini, der die Januar-Konzertreihe „Auf der Suche nach dem verlorenen Klang“ 1998 ins Leben rief, die sich den großen europäischen Musikzentren der Vergangenheit widmet.

Nach Spanien und Portugal reiste das Ensemble in diesem Jahr in die Zeit der großen Eroberungen und der Inquisition, als auf den öffentlichen Plätzen die Scheiterhaufen loderten und viele Komponisten und Kirchenmusiker zugleich auch Geistliche waren, wie Antonio de Cabezón und Juan Bautista José de Cabanilles.

Aus dem Schaffen dieser gläubigen Tonsetzer stellten Musiker des frankfurterisch-holländischen Barockensembles „La Fantasia“ und des niederländischen Gambenensemles „The Spirit of Gambo“ einige Instrumentalwerke zusammen, von kontemplativ bis erstaunlich tänzerisch klingend.

Weltlich-robust gestaltete der Chor Sebastián Aguilera de Heredias Obra de octavo tono: Ensalada, in Francesco Valls‘ reizvoll-eigenwilligen Melodieführungen besang man den Heiligen Antonius, vergeistigt-entrückt erklang Thomás Luis de Victorias palestrina-nahe Motette Ave Maria, gratia plena, ein Höhepunkt des Abends.

Und auch wenn es schon wieder nichts Neues ist: Wie zuvor beim Thema England will Joachim Martini die musikalische Erkundung der iberischen Halbinsel im kommenden Jahr in einem zweiten Konzert fortsetzen.

Frankfurter Rundschau vom 22.1.2002
bec