Sanfter Glanz des Barock

Die Junge Kantorei bot in der Frankfurter Dreikönigskirche Chor- und Instrumentalmusik aus Spanien und Portugal.

„Auf der Suche nach dem verlorenen Klang“ sind Cheffahnder Joachim Martini und sein Chor nun also auf der iberischen Halbinsel angelangt. Heutzutage weitgehend unbekannte Namen wie Antonio de Cabezón, Francisco Guerrero oder Francesc Valls stehen für einen reizvollen Barockstil, der sich zwar an italienische Vorbilder anlehnt, im Laufe seiner Entstehung aber durchaus Eigencharakter erhielt. Die von der Jungen Kantorei in bewährter Präzision gesungenen Motetten und Kanzonen warfen die Frage auf, warum man so etwas nicht schon längst einmal in Kirchenkonzerten gehört hat. Nicht nur die Motette „Sicut cervus“ des Portugiesen Estêvão de Brito erschien in sanftem, barockem Glanz. Auch die drei Motetten von Tomás Luis de Victoria, der als „spanischer Palestrina“ in die Musikgeschichte eingegangen ist, zeigten ausgereifte Musikalität und eine gelungene Synthese von musikalischen und religiösen Inhalten, die von Chor und Instrumentalisten zwingend herausgearbeitet wurden.

Besondere Kostbarkeiten im Programm waren allerdings die Instrumentalstücke Cabezóns, ein Orgelwerk von José Ximénez sowie die beiden „Pasacalles“ von Juan Bautista José Cabanilles. Hier kam der ausgewogene Musizierstil des Ensembles „La Fantasia“ hervorragend zur Geltung. Tragende Säule des Orchesters war indes der Organist und Cembalist Rien Voskuilen. Ihm gehörte, wie allen anderen, am Ende der verdiente herzliche Beifall.

Frankfurter Neue Presse vom 25.1.2002
Matthias Gerhart